In diesem Beitrag erzähle ich, wie ich das Thema generell auffasse. Anschließend nehme ich Bezug auf mich selbst und einem analogen Fallbeispiel - an einem Freund.
Hier muss man erst mal unterscheiden:
Es ist was anderes, wenn ich mich in Tiere ernsthaft verlieben kann, sexuell aktiv mit ihnen bin oder ausschließlich Pornos anschaue. Letzteres hat am wenigsten, potenziellen Kollateralschaden. Die ersten zwei Aufzählungen hängen allerdings oft zusammen (verliebt sein & Sex / Liebe & Sex) und sind eine ganz andere Liga.
Außerdem muss man sich Fragen: Hilft es mir oder der Beziehung, wenn ich es erzähle? Es sind wirklich gute Menschenkenntnisse gefragt (wenn du keine hast, lass es), ein gutes Taktgefühl und man sollte besser wissen, warum oder wie es zu dieser Neigung kam - damit der Gegenüber die Gelegenheit hat, es nachvollziehen zu können (hier sind ebenso Menschenkenntnisse gefragt, ob er fähig dazu ist oder sofort die Schranken zu ziehen würde).
Man sollte das Thema nicht in einer emotionalen Situation angehen, Menschen neigen da impulsiv oder stärker, tiefer (verletzt) zu reagieren. Besser in einer ruhigen Atmosphäre.
Ich erzähle es ausnahmslos niemanden meiner Freunde (schon gar nicht der Familie). Selbst meinem besten Freund nicht.
Nicht, weil ich ihm nicht traue, ich ihn nicht für emphatisch, einfühlsam oder verständnisvoll genug halte, sondern, weil es sein Bild von mir im handumdrehen ändern kann - keiner kann wirklich einschätzen, wie sehr. Natürlich ist der "mind-blowing"/ schockierende Effekt höher, je ungewöhnlicher das Outing ist und je gegensätzlicher es zu deiner Persönlichkeit ist. Wie sehr er dich mit plötzlich anderen Augen sieht, hängt von seiner Menschenkenntnis ab.
Nach dem Outing schreit man womöglich innerlich: "Ich bin immer noch der/die selbe!" (fürn ihn aber nicht mehr 100%ig).
Man kann nichts dagegen tun. Eine gute Begründung/ Erklärung kann helfen und gegensteuern, aber es ändert nichts an der Tatsache. Es ist reine Spekulation, ob er fähig dazu ist, dein "neues" ich zu akzeptieren. Wie er/sie es auffasst hängt ganz stark vom Menschen selbst ab, gar nicht mal so sehr, wie -> gut <- die Beziehung zwischen euch ist.
Ich persönlich muss nicht wissen, was mein bester Freund hinter verschlossenen Türen macht. Das ist sein Bier. Ich weiß es, er erzählte es mir einst, aber ich hake nicht weiter nach, gehe nicht ins detail (weil ich es nicht wissen will, sonst könnte ich einen Ekel gegen ihn entwickeln). Um mir den Ekel vorzuenthalten gehe ich nicht weiter darauf ein. Er weiß das, deshalb geht er nur darauf ein, wenn ich mit der Zeit fragen stelle und neugierig bin.
(Da wir hier anonym sind und es anderen helfen kann):
Es ist seine Bi-Sexualität und der Besuch in Pornokinos. Ich lasse dieses Bild, dass ich haben könnte nicht zu, trotzdem ist er immer noch mein [Name einfügen]. Er kann transsexuell sein, er kann Gegenstände sexuell anziehend finden, er kann auf NS oder diverses stehen, ist mir alles egal, solange es an diesem Punkt endet und es keine weitere Erläuterungen dazu gibt. Nur so, kann ich sein Bild in mir bewahren. Es funktioniert so wie es ist wirklich gut, wir haben nach wie vor genauso viel Spaß - was ich nicht garantieren kann, sobald ich meine besonderen Vorzüge offenbare (aber auch nicht muss, das Bedürfnis ist nicht da.)